Alpeneinweisung der Fliegergruppe Schwäbisch Gmünd
Will man die diesjährige Alpenwoche der Fliegergruppe Schwäbisch Gmünd in Eschenlohe mit nüchternen Zahlen beschreiben, klingt das so: "Sieben Piloten auf fünf Segelflugzeugen sind zusammen 90 Stunden in der Luft in Flughöhen bis 6000m". Das sind vielleicht schon beeindruckende Zahlen, sie drücken allerdings nicht ansatzweise aus, welche unglaublich begeisternden Eindrücke die Flieger aus den Bergen mit nach hause bringen, denn das klingt so:
"Wolkentürme schießen aus den Dolomiten zu uns hoch und noch weiter hinauf bis in den stahlblauen Himmel. Es ist einfach unfassbar, welche Naturgewalten wir fünf klitzekleinen Segelflieger hier oben erleben dürfen. Wellenaufwinde haben uns auf diesen einmaligen Aussichtsbalkon gehoben, jetzt blicken wir nach Süden bis an die Adria und nach Westen bis an des Massiv des Gran Paradiso. Gerade einmal zwei Stunden ist es her, daß wir noch mit beiden Beinen auf dem Flugplatz Bozen standen. Jetzt in dieser Wolkenlandschaft ist es nicht mehr nachvollziehbar, daß wir dort unten einen halben Vormittag lang mit so banalen Dingen wie Formularen, Ausweiskontrollen, Versicherungsbescheinigungen und Passierscheinen beschäftigt waren."
Die italienischen Piloten kennen das Procedere bereits und begrüßen die Gmünder mit entschuldigendem Blick. Sie können aber nichts für die Vorschriften ihrer Verwaltung. Die hat es natürlich schwer, denn auf die schwäbischen Segelflieger passen keine der üblichen Regeln. Sie sind hier die totalen Exoten zwischen Militärhubschraubern und Regionaljets, die stündlich Rom und Turin anfliegen.
Nach der ursprünglichen Urlaubsplanung wären sie auch gar nicht hier, sondern in Eschenlohe südlich München. Aber die Großwetterlage hatte sie auf der Alpen-Nordseite tagelang geärgert. Nach Regenwanderungen, Kraftwerksbesichtigungen und dem Besuch des Deutschen Museums in München wollten sie endlich wieder in die Luft und entschlossen kurzerhand, auf die andere Seite des Alpenhauptkamms zu wechseln. Die Wettervorhersage versprach Nordföhn mit Wellen und thermisch aktiver Luftmasse. In Bozen wurden sie am Morgen von strahlendem Sonnenschein und verheissungsvollen Cumuluswolken empfangen. Waren die bürokratischen Hürden erst einmal überwunden, ging es bald im Schlepp hinter den hilfsbereiten Bozener Motorflugzeugen in den italienischen Alpenhimmel.
"Der Einstieg in die Sarntaler Alpen ist etwas knifflig, letztendlich hängen wir aber alle westlich Meran über dem Ultental im turbulenzfreien Aufwind und steigen an den Wolkengebirgen vorbei. Ein fantastischer Anblick und ein riesiges Geschenk, das alle Mühen am Morgen sofort vergesen lässt! Das ist es, was das Fliegen ausmacht: das Abgehobensein, das Überwältigtsein aber gleichzeitig den Bezug zur Realität nicht verlieren. Bei allen umwerfenden Eindrücken trotzdem einen kühlen Kopf bewahren und den Überblick behalten. Das bedeutet auch vorausschauendes Fliegen, Taktik und Feingefühl, um größere Fehler zu vermeiden."
Damit ist eines der Hauptziele der Alpenwoche beschrieben: Ein Gefühl bekommen für die Schönheit aber auch für die Gefahren des Alpenfliegens. Die erfahrenen Piloten nehmen die weniger erfahrenen ins Schlepptau und führen sie schrittweise in die neuen Gefilde. So kann das Fliegen zwischen den großen Steinen und den riesigen Wolken zum entspannten und sicheren Erlebnis werden. Mit dabei ist auch die "BW2", der Discus des Fördervereins für Strecken- und Wettbewerbssegelflug in Baden-Württemberg. Er ist eine große Bereicherung und fügt sich optimal in unsere Trainingsflotte aus Discus, DuoDiscus und DG300 ein.
Abends nach der Rückkehr in die Ferienwohnung in Eschenlohe klingen die Bilder noch lange nach. Im Rückblick werden die Verwaltungshürden erst zum richtigen Gewürz für diesen aussergewöhnlichen Tag. Zum Ende der Woche bieten sich noch schöne Rundflüge in die Umgebung an, auch bis zur Zugspitze, aber der Ausflug in die Dolomiten bleibt das Highlight der diesjährigen Alpenflugwoche.
Fotos
Frank Rodewald
Text
Jochen Aminde
Pressereferent Fliegergruppe Schw. Gmünd
Weitere Infos zum Segelfliegen
www.flg-gd.de
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