Die BW2 in Grabenstetten auf den Landesmeisterschaften der Junioren


Auf dem Discus 2b, mit dem allseits bekannten Wettbewerbskennzeichen BW2 des Fördervereins für Strecken und Wettbewerbssegelflug, durfte ich dieses Flugzeug bei den Baden-Württembergischen Meisterschaften der Junioren in Grabenstetten mit fliegen. In diesem Bericht gebe ich einige Impressionen zu diesem ereignisreichen Erlebnis.

Die ersten Trainingstage - Baden-Baden Oos – 23.06.2011 – 07.08.2011
Nach einer Einweisung und der ausgiebigen Studie des Handbuchs war es schon soweit: Der erste Flug mit der BW2, gestartet auf meinem Heimatflugplatz Baden-Baden Oos. Ein unvergessliches Erlebnis für mich, der bis dahin bloß die Flugeigenschaften einer LS4 gewohnt war – viel präziser, viel ruhiger und eleganter – eine ganz andere Klasse. Auf diesen Start folgten Weitere: mit Wasser, bei Rückseite mit viel Wind, bei Schwachwetterlage und auch bei Blauthermik. Hierzu gehörten auch 2 Außenlandungen und ein kurzer Windenstart. Einige Einarbeitungszeit war nötig um das eingebaute ZS1 wie auch das Hohlochsystem komplett zu verstehen und einstellen zu können. Neben dessen waren einige Reparaturen am Hänger zu bewerkstelligen. Dabei wurde ich tatkräftig durch meinen Vereinskameraden Martin Strauß und meinem Vater Bernd. Dieses abwechslungsreiche Training gab mir das Gefühl gut für die Landesmeisterschaften vorbereitet zu sein. Am Dienstag wurde angehängt und auf die Alb gefahren.


Der BW2 vor der Hängerhalle in Baden-Baden Oos

Der erste Trainingstag – Grabenstetten – 08.08.2011
Nach der Anmeldung bei der Wettbewerbsleitung, der Dokumentenkontrolle und einem ausführlichen Briefing, begann der erste offizielle Trainingstag am Wettbewerbsflugplatz. Ausgeschrieben war eine Racing-Task mit fast 226km über Plettenberg und Giengen/Brenz. Abflugfreigabe gab es an diesem Trainingstag keine und die Aufgabe war für beide Klassen gleich. Nach einer erreichten Abflughöhe von 1700m flog ich los Richtung der ersten Wende. Nach einer Handvoll Kreisen und 50km zurückgelegter Strecke endete dieser Trainingstag für mich nach 36min auf einem Acker bei Burladingen. Da ich die thermische Aktivität, überschätzt hatte. Vielen anderen Teilnehmern ging es. So ähnlich, so landeten Viele beispielsweise in Albstadt. Aus der Standardklasse kam an diesem Tag keiner ohne Zwischenlandung zurück nach Grabenstetten, wohingegen in der Clubklasse 2 Piloten ( Tobias Hoch, F3 und Stefan Langer, BB) die Aufgabe komplett umrundeten. Nachdem alle „Außenlander“ und Heimkehrer wieder am Flugplatz versammelt waren, traf man sich zum gemeinsamen Eröffnungsbriefung. Es wurde das Wettbewerbsteam und die Sponsoren vorgestellt. Darüber hinaus wurden Richtlinien und Regel geklärt und verkündet. Der Bürgermeister und Segelflugreferent des BWLVs Walter Eisele hielten motivierende Ansprachen und begrüßte alle Piloten recht herzlich zu dieser Landesmeisterschaft.

Auf diesem flieggbaren Trainingstag folgten 2 Tage des Auf- und Abrüstens
Aufgrund der schwierig zu beurteilenden Wetterlage wurde in den nächsten zwei Tagen aufgebaut, neutralisiert nachmittags aber wieder abgebaut.

1. möglicher Wertungstag – 13.08.2011
Heute durfte die Standardklasse ihr Können unter Beweis stellen, wohingegen die Clubklasse wieder abbauen durfte. Der starke Wind wurde dennoch den meisten Standardklassepiloten zum Verhängnis. So gab es gleich nach der Abflugfreigabe die ersten Wiederlander und nach 30min waren fast die Hälfte der Piloten wieder am Flugplatz oder auf Felder verteilt. An diesem Tag erreichten dennoch 2 Piloten (Felix Blendinger, R2 und Glöckner Jan, 6W) das Tagesziel von knappen 125km. Leider kam an diesem Tag keine Wertung zustande, da die erforderliche Anzahl an Piloten, die mehr als 100km fliegen mussten ausblieb. Lediglich 4 Piloten erreichten dieses Ziel.

1. richtiger Wertungstag – 14.08.2011
Tagesziel heute waren 166km über Sigmaringen und Ochsenhausen. Nach erteilter Abflugfreigabe und erreichter Abflughöhe, ging es relativ zügig dem Pulk hinterher, sodass ich den Pulk auf Kurs in Höhe Trochtelfingen eingeholt hatte und dort die 2m schön markiert waren. Bis zur ersten Wende ging es dann wieder unter einer Aufreihung entlang, sodass man trotz einem blauen Loch über Sigmaringen eine ordentliche Wende durchführen konnte. Dennoch verlor ich den Pulk nach der Wende, da dieser sich entschied direkten Kurs durch das Blaue zu fliegen. Wohingegen ich mich auf die Wolken der südlichen Albkante verließ und diese bis Ehingen abflog und dann mit ausreichender Höhe dort Richtung Ochsenhausen abbog. Meiner Erwartung nach hätten mir auf dem folgenden Streckenabschnitt die anderen Wettbewerbsteilnehmer entgegenkommen müssen. Doch dies blieb aus. Am Rand vom Luftraum Leipheim traf ich dann auf R2, Felix Blendinger, der sich jedoch auch schwer tat, die schwache Blauthermik bei dem starken Wind zu zentrieren. Deshalb flog ich dann immer weiter und weiter, zog ein paar Kreise am Himmel, wenn das Variometer ausschlug; Ohne Höhengewinn, da die Thermik so zerissen war, dass sie kaum nutzbar wurde. Zu diesem Zeitpunkt war auch die Alb stark entwickelt und zog jede Nutzbare Thermik ab. Ab einer gewissen Höhe wechselte ich auf das bodenorientierte Fliegen und mir fielen einige Flieger rund um die Wende auf – kein gutes Zeichen. Somit endete für mich, wie für die meisten Piloten meiner Klasse auf einem Acker kurz vor der 2. Wende. Lediglich Thilo Scheffler schaffte an diesem Tag die Aufgabe. In der Clubklasse erreichten 9 Piloten das Tagesziel.

Die nächsten zwei Tage wurden neutralisiert.

2. Wertungstag – 17.08.2011

Tagesaufgabe heute:
266km Racing-Task über Rauhe Wanne und Sigmaringen

Nach der Abflugfreigabe wurde direkt abgeflogen. An diesem Tag flog ich mit Florian Hirschbolz, N1 zusammen und wir entschieden uns ein Stück weit hinter dem Pulk abzufliegen. Diese Taktik ging bis zur Rauhen Wanne sehr gut auf. Immer ein Stück weit hinter dem Pulk, mit der Anzeichnung der Bärte aber immer noch einer weiteren Möglichkeit. An der Rauhen Wanne dann die 2m. Viele des Pulks umrundeten lediglich die Wende und flogen Richtung Kurs ab, ins Blaue. Florian und ich entschieden uns wieder auf der Alb zu bleiben und nicht südlicher zu fliegen. Diese Entscheidung wurde von einigen Piloten hinter uns mit getragen und wir flogen die Alb wieder hinunter grob Richtung 2. Wende. 20Km vor der 2. Wende stießen wir wieder auf den Pulk wobei ich Florian schon verloren hatte, da mir 150m Höhe gefehlt hatten, um sauber mitzufliegen. Aufgrund einer Fehlentscheidung fiel ich weit hinter den Pulk zurück und musste mich nach der 2. Wende tief unter „herausbasteln“. Dennoch hatte ich einige Nachzügler des Pulks immer im Blick, als ich Richtung Diesen abflog, flogen diese gerade ab und ich fand dort nichts weiter vor als absinkende Luft unter hereinziehenden Alto-Kumulusfeldern – die zweite Außenlandung während des Wettbewerbs.



3.Wertungstag – 18.08.2011
Die heutige Aufgabe ähnelte der vom Vortag: von Burladingen zur Rauhe Wanne. Der Hauptunterschied zum Vortag: Eine Assigned Area-Task mit 30km Radius um jeden Wendepunkt. Grund für diese großen Radien war die im ersten Sektor ausschließlich vorhandene Blauthermik. Nach Abflugfreigabe befanden sich fast alle Flugzeuge der Standardklasse in dem gleichen Aufwind. Meine Teamkollegen und ich entschieden uns für einen sehr baldigen Abflug, da wir mit die Höchsten im Pulk waren. Wir flogen ab. Das erste Mal kreisten wir wieder über Hülben, in einem schwachen und engen Aufwind der uns lediglich 200m unserer verlorenen Höhe wiedergab. Von dort aus wählten wir den direkten Weg in den ersten Sektor. Als wir in diesen einflogen entschieden wir uns weiter vor an die Hangkante des Roßfeldes zu fliegen, da auf diesen leicht der Wind stand und die Chance gegeben war, dort eine Ablösung zu bekommen. Mein Teamkollege der etwas hinter mir war kreiste über einem Waldgebiet südlich vom Roßfeld ein und zentrierte den sehr schwachen Bart. Ich hingegen verlor sehr viel Höhe an der Kante des Roßfelds und musste landen. Ich sah meine Teamkollegen langsam wegsteigen. So endete mein Flug an diesem Tag nach 20km auf dem übernächsten Flugplatz. An diesem Tag erreichten 17 Piloten der Standardklasse das Ziel. Schnellster war Pirmin Schneider mit einem Discus, er flog 179, der max. 362 möglichen Kilometer.

4. Und letzter Wertungstag – 20.08.2011
Der letzte Wertungstag erwies sich als der spannendste und anstrengendste. Gestartet wurde bei 30°C am Boden. Nach dem Ausklinken, war nicht viel zu machen, da die maximale Höhe eigentlich erreicht war. In der ersten Stunde kämpften wir mit 600-700m Basis. Die erste Stunde nach dem Abflug war nocheinmal sehr interessant, da die Basis kaum anstieg und wir Alle in Münsingen tief wieder anfangen mussten. Ich selber hatte dort lediglich 240m über Grund und war heilfroh als ich 2 Flugzeuge kreisen sah. So schleppten wir uns die ersten 2h von Bart zu Bart nur um beim nächsten Bart wieder tief einzusteigen. In Burladingen, der ersten Wende erreichten wir dann komfortable 800m über Grund ehe wir Richtung Aalen abflogen. Auf diesem Schenkel erreichten wir querab Blaubeuren sogar 1000m Höhe, was wohl das Tages Maximum war. Den Pulk holten wir dann in Oppingen ein und stiegen oben in den Bart ein. An diesem Tag wurden Florian und ich noch von Janina Kölle begleitet, die mit dem Pulk mitgeflogen war und uns immer die Position und Höhe durchgab, so das wir ziemlich genau hinterher fliegen konnten.

In Heidenheim kurbelten wir dann mit Maximalausschlägen bis 5m und erreichten so unseren 2. Wendepunkt Aalen ziemlich schnell. Der Pulk flog direkt weiter. Wir verloren etwas Zeit, weil wir versuchten so viel Höhe wie möglich herauszuholen. So mussten wir auf dem Rückweg nocheinmal in Heidenheim tief kurbeln. Zu dritt kurbelten wir in 0,4m bis es nicht mehr trug. Von dort aus flogen wir dann ab. Wir kamen noch 2 mal relativ tief und konnten uns aber immer wieder erfolgreich hocharbeiten. Bis wir zuletzt einfach nur unter der Wolkenstraße entlang flogen. Somit erreichen wir alle verschwitzt und mit blanken Nerven das Ziel. Bemerkenswerte Leistung an diesem Tag erbrachte Christian Paul Scheuter, der auf Grund eines technischen Defekts mit der BW3, einer Standard Libelle in der Standardklasse mitflog und 3. er in der Tageswertung wurde. Erster an diesem Tag wurde Nils Prokisch.

In diesen 10 Tagen ging es für manche um die 6 Qualifikationsplätze für manche andere um ein Podestplatz und für andere ging es darum Wettbewerbserfahrung zu sammeln. Zu letzteren Leuten zähle auch ich. Ich möchte mich an dieser Stelle bei allen bedanken, die mir das ermöglicht haben.Ganz besonders beim Förderverein, bei den anderen Piloten und bei meinem Rückholer und Coach.

Meinen herzlichen Glückwunsch gehen an: Tobias Hoch, Michael Otzipka, Joachim Schwenk, Heiko Schwenk, Simon Schmidt-Meinzer, Fabian Krause und Bernhard Scheiff aus der Clubklasse zu einer erfolgreichen Qualifikation zu den deutschen Junioren Meisterschaften.
Sven Mayer, Jan Glöckner, Thilo Scheffler, Christian Paul Scheuter, Thomas Kalfas und Kristian Kreuzer aus der Standardklasse zu einer erfolgreichen Qualifikation zu den deutschen Juniorenmeisterschaften.

Somit kann ich sagen, dass diese 10 Tage meinen Erfahrungsschatz um viele Erfahrungen und Situationen erweitert hat. Danke